Karneval – die närrische Zeit ist da….

Karneval – der Name entstammt dem Begriff “ carne vale“, was so viel heißt wie „Abschied vom Fleisch“. Am Aschermittwoch beginnt ja die Fastenzeit. Früher war da auch das Fleischessen verboten (heute nimmt man es wohl nicht mehr so genau!). Ursprünglich war Karneval ein heidnisches Fest und für die Vertreibung der bösen Geister gedacht.

Übrigens ist überliefert, dass schon vor 5000 Jahren in Mesopotamien einmal im Jahr ein großes Fest gefeiert wurde. Dabei wurden die gesellschaftlichen Schranken aufgehoben. Für wenige Tage galten alle – vom hohen Würdenträger bis zum Sklaven – gleich viel. Man begrüßte mit diesem Fest das neue Jahr. Da gab es ausgiebige Trink- und Essgelage, auch da schon Festumzüge. Und auch Rededarbietungen, man kostete die Narrenfreiheit jener Festtage aus, konnte also sagen, was man wollte.

Als (fast) rheinisches Mädchen bin ich dem rheinischen Frohsinn verbunden, besonders natürlich auch dem Karneval in Köln. Das ist jedes Jahr eine besonders große Sache. Auch hier hat der Karneval eine lange Tradition, mit Festen und Straßenkarneval. Aber da hat auch die Französische Revolution mitgewirkt – Köln war ja französisch besetzt – und alle Feiern verboten. Es wurde zwar noch von den Bürgern intern gefeiert, aber die Zeiten des Straßenkarnevals waren vorbei. Die Kölner haben dann 1823 diese alte Tradition wiederbelebt. Es gibt sogar eine große Karnevalsgesellschaft, von 1823.

Die Karnevalssaison -man sagt hier Session – beginnt offiziell am 11.11. um 11 Uhr 11 mit einer großen Eröffnungsfeier. Gleich nach dem 1.Januar geht es weiter mit der Hauptsession. Dann finden allenthalben die großen und kleinen Sitzungen statt mit Musik- und Rednerdarbietungen. Die Redner gehen in die „Bütt“, wie man hier sagt. Bälle und Feiern in den verschiedenen Vereinen, bis zu den Feiern in Schulen und Altenheimen usw.wechseln sich ab. Die „tollen Tage“ beginnen mit dem Donnerstag vor Aschermittwoch, also Weiberfastnacht. Sonntags sind schon vielerorten – wie überall  wo Karneval oder Fasching oder Fastnacht gefeiert wird – die Umzüge. In Köln gehen die „Schull- und Veedelszöch“. Schulen, Stammtische und Bürgergemeinschaften der einzelnen Stadtviertel basteln mit viel Liebe und Mühe schon lange im voraus wunderschöne Kostüme und Mottowagen. Der große Karnevalszug geht dann am Rosenmontag. Es ist Deutschlands größter Karnevalszug (d`r Zoc h“). Ein paar Einzelheiten später noch!

Der Karneval ist in Köln ein riesiger Wirtschaftsfaktor geworden und schafft ca. 20 000 Arbeitsplätze jährlich. Kostümhersteller, Schneiderinnen, Ordensdruckereien, Servicepersonal, die Kamelle (Bonbons-)beschaffer für Rosenmontag und vieles andere mehr.

Noch was zum „Dreigestirn“, das in der närrischen Zeit in Köln regiert.  Das Dreigestirn ist eine Kombination aus drei verkleideten Personen, in der Rolle von Prinz, Bauer und Jungfrau. Diese drei Figuren sind die Repräsentanten des Kölner Karnevals. Es gibt natürlich auch ein Kinderdreigestirn. In anderen Regionen regieren andere „Tollitäten“, Prinz und Prinzessin beispielsweise, oft ganz bewusst und spöttisch an ehemalige Adelsformen angelehnt. Da gibt es das Mainzer Prinzenpaar, Prinz und Venetia in Düsseldorf, Prinz und Bonna in Bonn oder den Prinzen mit seinem ganzen Hofstaat in Aachen.

Für jeden echten Kölner ist es der Wunschtraum, einmal Prinz zu sein. Es wird sogar im Lied besungen. Es ist eine große Ehre, jedes Jahr stellt eine andere große Karnevalsgesellschaft das Dreigestirn. Für die Hauptsession wohnt das Dreigestirn sogar in einem großen Hotel, um sich ganz dem Repräsentieren widmen zu können. Das ist ganz schön anstrengend, ein eng gesteckter Terminkalender muss erfüllt werden, um dem hohen Amt gerecht zu werden.

Nicht nur auf den Straßen, in allen Lokalen ist es proppenvoll. An den „tollen Tagen“, also ab Weiberfastnacht, muss man in den besonders angesagten Brauhäusern oder auch Bars lange anstehen, um hineinzugelangen. Habe ich selbst mitgemacht, es wurden nur so viel eingelassen, wie durch einen anderen Ausgang weggingen.

So, und nun noch einige erstaunenswerte Daten zum Kölner Rosenmontagszug (zugrunde liegt der „Zoch“ von 2012): Es fuhren 119 Fest- und Persiflagewagen mit, die Länge des Zuges betrug 7 km, der Zugweg war 6,7 km lang. Es waren 1.110 Personen auf den Wagen, 3.202 Personen bei den Fußgruppen, 1.093 Tanzgruppen, 334 Reiter, 4.085 Personen in Musikkapellen und dann die zahlreichen Helfer, insgesamt 12.824 Personen!

Es wurden 300 Tonnen Süßigkeiten geworfen – 700.000 Schokoladentaler, 220.000 Schachteln Pralinen und viele kleinere Präsente. Nicht zu vergessen, die vielen, vielen „Stüssger“, kleine Blumengebinde aus Tulpen oder Nelken.

Das ganze sahen ca. 1,2 Millionen Zuschauer!! Dicht gedrängt am Straßenrand oder auf Tribünen, wo man dann natürlich einen Obulus leisten muss. Trotzdem ist alles lange vorher ausverkauft. Dann die vielen Trink- und Essstände unterwegs. Es ist eine sagenhafte Atmosphäre, die man einfach mal mitgemacht haben muss. Als Rheinländer oder eben Kölner natürlich  möglichst jedes Jahr! Es zieht auch Touristen aus aller Welt an, die Hotels sind, obwohl, wie ich las, kräftig aufgeschlagen wird mit dem Preis, alle längst ausgebucht. Heute sah man im Fernsehen, auch alle Jugendherbergen, Privatquartiere sind voll belegt.

Ja, und am Aschermittwoch ist alles vorbei, dann wird der Nubbel verbrannt, eine alte Sitte, und die Geldbörsen im Rhein ausgewaschen. Und alles zieht dann zum traditionellen Fischessen. – Und freut sich aufs nächste Jahr!

In diesem Sinne : Alaaf, Helau, Narri Narro, aber besonders: „Kölle Alaaf“.

Foto: Rike / pixelio.de

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