Und wieder blühen die Linden – mit ihrem Duft…..

Jedes Jahr ist es immer wieder schön, wenn die Linden blühen. Wer das auch liebt, wartet schon darauf, ob der betörende Duft der Lindenblüten schon da ist. Heute habe ich plötzlich den Duft wahrgenommen, zwei große Linden stehen nahe bei meinem Haus. Der Wind trug den wunderbaren Duft zu mir. Es ist so, dass mich diese eigentlich sehr verbreiteten und  beliebten Bäume mit großer Freude regelrecht magisch anziehen, weil da alte Erinnerungen wach werden an eine große Linde bei meinem Elternhaus und auch an eine alte Dorflinde, die es schon lange nicht mehr gibt.

Wer kennt nicht das wunderbare Gedicht von Wilhelm Müller “ Der Lindenbaum“, das eigentlich viel bekannter ist als „Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum“. Es ist eigentlich ein sog. Kunstlied, das zum Zyklus der „Winterreise“ gehört und von Franz Schubert vertont wurde. Die „Winterreise“ ist das unbedingte Muss für jeden guten Sänger. Von Dietrich Fischer-Dieskau über Hermann Prey, Peter Schreier, um nur einige zu nennen, haben uns große Stimmen damit erfreut. Das Lied vom Lindenbaum ist ein richtiges Volkslied geworden. Auch die Bilder von berühmten alten Dorflinden oder Lindenalleen und ihre Geschichte sind ja ein Begriff. Da habe ich mich mit Vergnügen ein bisschen in Wissen über diesen wunderbaren Baum vertieft. Was zum Baum selbst: Es gibt 20 bis 45 Arten der Linde, die meist in gemäßigten bis subtropischen Gebieten wachsen. Hier in Mitteleuropa gibt es hauptsächlich zwei Arten, die Sommer- und die Winterlinde. Die Linde erreicht eine Höhe von 15 bis 40 Metern, hat einen Stammdurchmesser bis zu 1,8 Metern und kann bis 1000 Jahre alt werden!  Siehe oben, die berühmten alten Dorflinden.Das Lindenholz ist hell und schimmernd und wird besonders für die Bildhauerei verwendet, da es auch weich ist. Weil daraus schon immer viele Heiligenfiguren geschnitzt wurden, galt die Linde als heiliger Baum „lignum sacrum“. Berühmt sind die Werke von Tilmann Riemenschneider oder Veit Stoß aus der Spätgotik. Aus Lindenholz werden auch die Masken der alemannischen Fasnacht geschnitzt, bekannt „Der Seehas“ aus Friedrichshafen. Außerdem wird ganz profanerweise Lindenholz auch für viele industrielle Zwecke verwendet. Imkern dient die Linde als „Bienenweide“, da aus dem Nektar der sehr schmackhafte Lindenblütenhonig produziert wird. Außerdem sind getrocknete Lindenblüten auch als Heiltee nicht wegzudenken. Besonders als Nervenberuhigung und bei Erkältungen ein altbewährtes Heilmittel. (In unserer Familie traditionell angewendet!).

Nun  aber zu der Kulturgeschichte der Linde, die mich immer schon faszinierte: Die Linde galt bei den Germanen als Baum der Freya, auch da schon als heiliger Baum. Die alten Dorflinden, die es in alten Zeiten in vielen Orten gab, waren auch Gerichtslinden. Da wurde Dorfgericht abgehalten, das auf das Thing der Germanen zurückgeht. Aber auch für frohe Feste waren Plätze unter dem Lindenbaum geeignet, im Mai fanden Tanzfeste statt. Es war der Platz für Nachrichten und Dorfklatsch, für die Jugend als Singmittelpunkt, als Brautschau, für die Alten als Ruhesitz zum Sinnieren über alte Zeiten. Ich kenne noch das Singen der Volks- und Wanderlieder am Abend. Aber das gibt es heute wohl nicht mehr oft. Nach Kriegen wurden schon in immer „Friedenslinden“ gepflanzt, so nach dem „Westfälischen Frieden“, nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Was mir neu war: Am 30.4.1990 wurde eine „Freiheitslinde“ vor dem Reichstag in Berlin gepflanzt, um an die Wiedervereinigung zu erinnern. Viele Orte sind nach der Linde benannt, so auch Leipzig: nämlich nach der sorbischen Bezeichnung „Lipsk“ -Linden-Ort. Überhaupt ist der Lindenbaum und besonders das Lindenblatt ein  Symbol des sorbischen Volkes. Wer kennt außerdem nicht die berühmte Straße „Unter den Linden “ in Berlin! Dann las ich von dem größten geschlossenen Lindenwald in Colbitz-Sachsen-Anhalt. Das muss um diese Zeit ein besonderes Erlebnis sein, der Duft muss einfach überwältigend sein. Die berühmtesten alten Dorf-, Tanz- und Gerichtslinden habe ich – wo natürlich – im Internet entdeckt, ich kann sie nicht alle aufzählen. Gottseidank sind noch etliche erhalten. Wer nachsehen will: http://wikipedia.org/wiki/Linden_(Botanik)

Es gibt auch eine Menge Rezepte, was man alles aus Lindenblüten machen kann, nicht nur Tee oder Honig. Da kann man, vor allem aus den Lindenblüten z.B. Lindenblüten-Essig, Lindenblüten-Sekt oder Parfait machen. Als Beilage und Dekoration kann man sie verwenden und und…

Ich habe ein schönes Rezept für eine Creme gefunden, das ich gleich ausprobiert habe, macht etwas Arbeit, aber es lohnt sich: Lindenblüten-Weincreme mit Beeren  für vier Portionen 150 g Zucker, 1 Handvoll Lindenblüten (frische), wenn man getrocknete hat, dann 2/3 der Menge, 3 Scheiben Gelantine, 1/2 l Sahne, steifgeschlagen, 4 Eigelbe, Saft aus 2 Zitronen, 3 EL Honig, 2 Eier, 0,3 l Weisswein, 200 g Beeren. Den Wein mit den Lindenblüten aufkochen und zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen, dann die Blüten entfernen. Eigelb, Eier, Zucker, Honig und Zitronensaft mit dem aromatisierten Wein in einer Schüssel im Wasserbad bei nicht zu großer Hitze schaumig schlagen. Die in kaltem Wasser eingeweichten und ausgepressten Gelantineblätter unter die noch warme Schaumcreme mischen und die Creme kalt schlagen. Die Schlagsahne mit den Beeren (einige für die Garnitur zurücklassen) kurz vor dem Eindicken der Creme unterheben. Die Creme in Gläser füllen, kaltstellen und vor dem Servieren mit den Beeren garnieren.

Dann was für Naturliebhaber, wenn man etwas ländlich wohnt, kann man die Zutaten alle draußen entdecken. Man kann natürlich mehr sammeln und das Rezept erweitern: Lindenblattsalat mit Wildkräuter-Dressing  für zwei Portionen 1 Handvoll junge Lindenblätter, 2 Taubnesseln, 4 Blätter Spitzwegerich, 1 Handvoll Löwenzahn, 2 Blatt Sauerampfer, 1 Bund wilden Schnittlauch, 2 Möhren, 1 EL Sonnenblumenkerne, Rapsöl, kaltgepresst, 1 EL Zitronensaft, 1 TL Honig, 1 Pr. Meersalz, Pfeffer aus de Mühle Wildkräuter waschen und putzen, Lindenblätter können ganz bleiben, da sie die Grundlage für den Salat bilden. Von den Taubnesseln Blättchen und Blüten abzupfen, Löwenzahnblätter in Stücke zupfen, die anderen klein schneiden. Die Möhren raspeln. Aus Öl, Zitronensaft, Honig, Salz und Pfeffer ein Dressing bereiten. Die Wildkräuter hineingeben, sowie die Lindenblätter und die geraspelten Möhren. Alles mischen und mit den Sonnenblumenkernen bestreuen.

Foto: Ilona Göckel / pixelio.de.

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