Der Zauber von La Mancha – Safran –

Schon im vergangenen Jahr wollte ich über ein wundervolles und auch teures Gewürz schreiben, den Safran. Nun ist es wieder Oktober geworden und es ist Zeit, da jetzt gerade die Safranblüte und somit die Ernte stattfindet. Ich habe einen so herrlichen Bericht darüber gefunden, den ich hüte und in Auszügen dem interessierten Publikum  (Köchinnen, Hausfrauen usw.) weitergeben möchte.

Den besten Safran gibt es in der zentralspanischen La Mancha. Das kommt Euch bekannt vor? Richtig, wo der unsterbliche Don Quijote gegen die Windmühlen kämpfte. Hier und speziell rund um den Ort Consuegra ist das Mekka dieses edlen Gewürzes. Safran ist eine Krokusblüte, habe ich gelernt.

Es muss für Besucher ein einmaliges Erlebnis sein, wenn sich ganz plötzlich, quasi über Nacht, die Krokusfelder in ein violettes Blütenmeer verwandeln. Beim ersten Sonnenstrahl kann man die Pracht bewundern, aber wichtig sind nur die Schätze der drei dunkelroten Fäden im Innern der Blüte, die kaum duften. Doch am Ende des Tages wird daraus das teuerste Gewürz der Welt, das man, so las ich, einst in Spanien sogar mit Gold aufwog.

Für die Safranbauern bedeutet das allerdings harte Arbeit. Die ganze Familie ist von Sonnenaufgang an unterwegs. Denn im Laufe des Tages verliert der Krokus seine Kräfte und er verwelkt. Übrigens wird er in Spanien Safranrose genannt. Trotz schmerzenden Rückens werden, so schnell es geht, die Blüten gepflückt. Wenn man bedenkt, das 200 000 Blüten gerade mal ein Kilogramm Gewürz ergeben, ist das schon mühsam.

Dann geht es aber mühsam weiter: Zu Hause werden die roten Narbenschenkel, die so wertvoll sind, von den Auszupfern, meist Frauen, durch Aufritzen des Stiels, Abzwicken der roten Spitzen, gewonnen. Das gelblich-weiße Ende des Fadens muss entfernt sein, umso besser ist die Qualität. Man schafft 10 000 bis 15 000 Blüten pro Tag. Kein Wunder, dass es dann so teuer wird. Ein Gramm kostet im Laden bis zu zehn Euro.

Dann geht es weiter, unermüdlich. Dann kommt das behutsame Trocknen über der milden Hitze von Kohlenbecken. Zwar würden die Fäden an Gewicht verlieren, aber erst so entwickle sich das einzigartige Aroma, habe ich gelernt. Es soll bei Windstille wie eine Duftwolke über den Dörfern der Mancha hängen.Dann liefern die Bauern ihre Ernte beim Großhändler ab, der sie portinoniert und verpackt.

Es gibt sogar einen Safranrat in der Mancha, richtig mit Präsident. Der achtet darauf, dass nicht Betrüger mit Fälschungen, die es natürlich häufig versuchen,  dazwischen fuschen. Inzwischen ist der Safran der Mancha als Markenzeichen geschützt und die Gewürzhändler werden von den Behörden kontrolliert. Trotzdem werden vor allem in orientalischen Souks oder in Asien „Schnäppchen“ angeboten, die natürlich meist nicht echt sind.

Übrigens habe ich mit Erstaunen gelesen, was der Safran für eine historische Bedeutung hat. Man kannte ihn schon lange und Jahrtausende lang nutzte man ihn als Textil- und Lebensmittelfarbstoff, als Duftstoff und Arzneimittel. Schon Perserkönige trugen safrangefärbte Gewänder, reiche Römerinnen ließen ihr Haarpuder mit Safran verfeinern, im Mittelalter verwendeten Buchmaler den Safran.

Aber hauptsächlich wurde auch schon immer der Safran, wenn man es sich leisten konnte, als Gewürz verwandt. Da las ich von Safran als Beigabe zur provenzialischen Bouillabaisse und der spanischen Paella. Gerade in Consuegra haben Restaurantköche noch besondere Rezepte, so für Safransorbet oder Safraneis. Und im Nachbarort Villafranca gibt es einen Safranlikör, süßlich-herb schmeckend.

Nach all der Plackerei lassen es sich die Safranbauern aber nicht nehmen, am letzten Oktoberwochenende ein großes Fest zu feiern. Bei einem Zupfwettbewerb kann jeder Besucher mitmachen und es wird die Safrankönigin gewählt. Wie sie genannt wird, ist unschwer zu erraten: Dulcinea, wie Don Quijotes Angebetete. Zu Volksweisen werden Tänze aufgeführt.

Aber schon bald im November ist alles vorbei und die Mancha versinkt im Winterschlaf, bis die Bauern im Frühling wieder neue Zwiebeln pflanzen.

Übrigens fand ich auch Hinweise auf Fremdenverkehrsmöglichkeiten. Consuegra liegt 150 km südlich von Madrid. Hinweise unter www.spain.info oder auch auf der lokalen site des Dorfes (ganz schön clever!) www.consuegra.es

Foto: bbroianigo  / pixelio.de

Hinterlasse bitte einen Kommentar, oder eine Trackback von Deinem Blog.

Hinterlasse einen Kommentar

Copyright © 2013 Allerlei Frauerlei – Gesundheit, Garten und Genuss