Gasthörer an der Uni – Was Tolles für den Geist

Der Verfasserin fiel eine Zeitungsnotiz in die Hand, worin berichtet wurde, dass die Zahl der Gasthörer an den Universitäten zunimmt. In NRW waren im letzten Semester 23080 Gasthörer eingeschrieben, ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Man höre und staune: Ein Viertel war mehr als 60 Jahre alt. Das ist natürlich kein Muss, man kann durchaus auch als jüngerer Mensch dorthin gehen. Aber es ist eine sehr gute Alternative für den Ruhestand.

So dachte ich auch, als ich vor einigen Jahren nach einem Berufsleben als Sekretärin und Sachbearbeiterin was fürs Herz, sprich Geist, tun wollte. Das Abitur, das ich in jungen Jahren nicht machen konnte, hätte ich gern nachgeholt. Aber das war mir, ehrlich gesagt, zu stressig. Schließlich warteten Familie, vor allem Enkel, auf Zuspruch. Aber Gasthörer, das wars!

Ich besorgte mir die Einschreibungsformulare bei der für mich nächsten Universität und los gings.

Ein sehr guter Einführungsvortrag mit Berichten „alter Studenten“. Ich suchte mir aus dem Vorlesungsverzeichnis – ein sehr reichhaltiges Angebot – meinen Interessen entsprechend was aus. Zwei Tage in der Woche ließ ich quietschvergnügt alles Alltägliche hinter mir und mischte mich unters studierende Volk. Eine Augenweide waren für mich die reizenden jungen Leute, vor allem die leckeren Mädchen. Neidisch war ich schon etwas, noch mal so jung und schlank zu sein. Sie waren sehr freundlich und höflich, obwohl ich gehört hatte, dass manche meckern, dass die Alten ihnen den Platz wegnehmen. Das Beste war, es ist kein Abitur erforderlich, der Beitrag erschwinglich. Dafür kann man dann nicht „richtig“ studieren, also keinen Abschluss machen. Aber das wollte ich ja gar nicht, siehe Abiturstress. Ich setze mich selig in die Vorlesungen und saugte das Gehörte auf. Ich las in der oben erwähnten Notiz, dass die beliebtesten Fächer für die „alten“Studenten Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften und Psychologie sind. Da kann ich nicht mitreden, mein Interesse galt der Geschichte, Kunstgeschichte, Englisch, Literatur. Darum auch konnte ich fast immer Platz bekommen. Zumindest in den ersten Vorlesungen zu Semesteranfang waren aber auch hier bei beliebten Professoren alle Plätze belegt und viele mussten auf den Treppenstufen oder Fensterbänken Platz suchen.

Ich traf auch viele meiner „älteren“ Mitstudenten, die sehr wohl Abitur und schon ein Studium hinter sich hatten. Das hörte man schon bei der Begrüßung: „Guten Morgen, Herr Dr. …., ich habe Ihnen schon einen Platz freigehalten.“ Mit dem Verein der Gasthörer, der sehr rührig war, habe ich nebenbei viele Exkursionen und Besichtigungen mitgemacht. Richtige Freundschaften, die dann auch in Kaffeeeinladungen und Restaurantbesuche mündeten,habe ich geschlossen. Zum Geburtstag meines Mannes, im Mai, habe ich ihn mitgenommen. Der hat allerdings sein Abitur, große Hochachtung, im zweiten Bildungsweg neben Beruf als junger Mann gemacht. Mensa und Cafè im Phlisophikum waren beliebte Treffpunkte.Nicht zu vergessen, bei schönem Wetter tummelte sich alles in den Pausen draußen im riesigen Grüngelände. Leider erlaubt es mein familiärer Zeitplan nicht mehr, dies alles zu genießen. Ich vermisse das „Campus-Feeling“ sehr, habe einige meiner schönsten Zeiten dort verbracht. Aber vielleicht klappt es doch noch mal, und ich bin dann mal weg, zur Uni.

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Ein Kommentar to “Gasthörer an der Uni – Was Tolles für den Geist”

  1. adi sagt:

    Hallo Eva,

    gute Idee mit dem „Rentnerstudium“.
    Musst du auch die vollen Studien-
    gebühren bezahlen pro Semester?
    Hoffentlichhast du mal wieder
    mehr Zeit für das Campusleben!
    Schöne Grüße von Adi

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