Stay friends – nicht nur im Internet

Ich wohne seit einigen Jahren (back to the roots) zufällig wieder in der Nähe meiner alten Dorfschule.

Ein wuchtiger Bruchsteinbau, das Obergeschoss in Fachwerk. Schon lange nicht mehr als Schule genutzt, befindet sich jetzt eine Tierarztpraxis und ein Atelier darin. Aber immer, wenn ich daran vorbeikomme oder Besuch dorthin führe, werden alte Erinnerungen an eine schwere aber glückliche Kindheit wach. Obwohl dies in den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg nicht so einfach für ein Flüchtlingsmädchen war, denke ich gern daran zurück.

Diese Dorfschule, wie es sie schon lange nicht mehr gibt, bestand aus zwei Klassen: 1. bis 4.Schuljahr, 5. bis 8.Schuljahr, damals ging man acht Jahre zur sogenannten Volksschule. Ich sollte auf Wunsch meiner Lehrer nach vier Jahren zum Gymnasium wechseln, das haben meine Eltern aber nicht erlaubt. Es wäre auch damals unmöglich gewesen. Schade!

Aber unsere Lehrerin für die unteren Klassen und vor allem unser Lehrer waren Institutionen. Der Herr Lehrer schon vor allem von der massigen Statur, groß, eine Ehrfurcht gebietende Erscheinung. Sehr kompetent, streng, gerecht. Meine Freundin und ich ließ er in der letzten Klasse die Klassenarbeiten korrigieren, was waren wir stolz! Er hatte natürlich seine Marotten. Der Jahresausflug beispielsweise führte in die Heidelbeerwälder unserer Umgebung, da wurde eifrig gepflückt und die Beute war der Lehrersfrau abzugeben. In Musik war er ein absoluter Kenner, spielte Geige, leitete mehrere Chöre. (Ein Enkel ist übrigens ein bekannter Cellist geworden). Im Gesangsunterricht schickte er die großen Jungen, die schon fast im Stimmbruch waren, seinen Garten umgraben.

Nun erfuhr ich, dass die Grundsteinlegung unserer alten Schule vor 100 Jahren mit einem großen Fest gefeiert werden sollte. Die jetzigen Bewohner richteten es aus zum gleichzeitigen zehnjährigen Bestehen ihrer Praxis. Im Vorfeld des Festes suchte unsere Gemeindearchivarin alte Klassenfotos. Ich konnte drei beisteuern. Was hat es einen Spaß gemacht, dies mit ihr durch zu sprechen und zu versuchen, die Namen zu rekonstruieren! Ein Glück, dass sie auch in meinem Dorf (jetzt natürlich Stadtteil!) wohnt und überraschend viele kannte. Zumal sie fast halb so alt ist wie ich.

Mein Mann, ortsfremd, wollte unbedingt zu diesem Treffen mitgehen, hat sich natürlich gelangweilt, einerseits, (es ging dann auch über fast zwei Stunden), andererseits war er erstaunt, wie viel Namen mir noch einfielen. Leider habe ich die meisten aus den Augen verloren, ein Klassentreffen hat es für meinen Jahrgang nie gegeben. Weil sich einfach keiner die Mühe gemacht hat, es zu organisieren.

Dann kam endlich der Tag des Schulfestes. Selbst mein Sohn, der diese Schule noch ein Jahr besucht hat, bevor sie geschlossen wurde, hatte sein Kommen zugesagt.

Ich war sehr gespannt, ob ich viele alte Gesichter sehen würde! An großen Stellwänden waren die Photos, groß eingescannt, platziert. Verblüfft war ich, wie viel wirklich alte Schätzchen, so von 1920 bis 1940, zusammengekommen waren. Da nahmen sich meine von 1948, 1954,1956, ja direkt jung aus. Die jüngere Generation war nicht so zahlreich vertreten.

Ich traf tatsächlich viele, die ich kannte, wenn auch leider keinen aus meinem Jahrgang. Leider sind auch einige nicht mehr unter uns. Mit den bekannten alten Mitschülern /innen habe ich gemeinsam versucht, herauszubekommen, wer wer ist, die ich nicht mehr gewusst hatte. Verblüfft war ich, einige zu treffen, die ich gar nicht mit der Schule in Verbindung gebracht hätte. Da wurde ich anhand der Bilder aber eines Besseren belehrt! Liesel war etwas erzürnt, dass ich ihren Namen angegeben hatte, das wäre sie doch gar nicht! Anita, ich stutzte, ja natürlich, sie war ja aus dem Nachbardörfchen. Sie sollte mir ein Mädchen identifizieren, über die ich mir wochenlang den Kopf zerbrochen hatte, mir wollte der Name nicht einfallen. Ja, da hatte sie ihre Brille nicht dabei. „Gib mir Deine, damit ich es sehen kann! Gesagt, getan,aber nun konnte ich nicht zeigen, wen sie nun suchen sollte! Zum Glück hatte ich meine Ersatzbrille dabei. „Ja, die Helga, dass ich da nicht drauf gekommen bin!“ Ein Foto verblüffte mich, ich konnte mich nicht daran erinnern.

Die jetzige Besitzerin verwöhnte uns mit Speis und Trank und einer Schar flinker Helfer. Die Lehrerin der jetzigen Grundschule führte mit Kindern einen Sketch in alten Kostümen auf.

Das Tollste, dazu hatte man zwei alte original Schulbänke von früher herbei gezaubert!!

Die mussten selbstverständlich für ein Erinnerungsfoto herhalten. Mit viel „Weißt Du noch“ und goldenen Erinnerungen, die auch etwas wehmütig stimmten, ging ein wunderschöner Tag zu Ende.

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Ein Kommentar to “Stay friends – nicht nur im Internet”

  1. Patricia sagt:

    Liebe Frau Eva,
    ich möchte mich an dieser Stelle nachmals für die tollen Klassenfotos bedanken.
    Dadurch dass Sie uns Ihre Fotos zur Verfügung gestellt haben und Sie die Mithilfe bei der Beschriftung der Fotos mit Namen geleistet haben, konnte die Ausstellung bereichert werden.
    Nur so kann den Fotos wieder Leben eingehaucht werden und sie bleiben so der Nachwelt erhalten. Sie haben durch Ihr engagiertes und motiviertes Handeln dem Archiv der Gemeinde Eitorf sehr geholfen!
    Es freut mich ganz besonders, dass Ihnen das Fest 100 Jahre Grundsteinlegung Schule Harmonie und 10 Jahre Tierarztpraxis Dr. Hümmelchen gefallen hat.
    Beste Grüße
    Patricia Fleischhauer
    (Gemeindearchivarin)

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