Schlossherrin für ein Wochenende

Wer hätte nicht schon mal davon geträumt, in einem Schloss zu residieren? Es hat nun mal ein besonderes Flair, ist von alter Geschichte umwoben. Wenn man die Augen schließt, kann man sich die Freifräulein in ihren Reifröcken beim Menuett vorstellen, die Herren bei der Jagd mit Hörnerklang. Natürlich auch die Heerschar der Bediensteten, die emsig die Fasanen zubereiten und nicht zuletzt das Schlossgespenst!

Mein Mann und ich hatten das Glück, an einem schönen Juniwochenende von Barbara und Dieter in ein wunderschönes westfälisches Wasserschloss eingeladen zu werden. Nun will ich lieber gleich dazu sagen, dass es nicht die eigentlichen Schloßherren waren, sondern liebe Freunde, die eine sehr schöne Wohnung auf dem Schlossgelände haben. Wieso Wohnung auf dem Schlossgelände?

Dazu muss ich etwas weiter ausholen: Das Wasserschloss Bodelschwingh in Dortmund hat seine Ursprünge im 13.Jahrhundert, es gehört einem führenden westfälischen Adelsgeschlecht und gilt als eine der schönsten Anlagen mit dem größten Park- und Waldgelände der westfälischen Schlösser.

Wie es auch bei vielen anderen Schlössern aber so ist, dienen die Stall- und Wirtschaftsgebäude, im Viereck vor dem Schloss angesiedelt, so gut wie nicht mehr zu landwirtschaftlichen Zwecken. Leider sind die Zeiten der parforce-Jagden, der Kutschen- und Schlittenfahrten vorbei.

In den 1980er Jahren wurden komfortable Wohnungen und Büros daraus. Ich fühlte mich in dieser Wohnung trotzdem für diese Zeit wie eine Schlossherrin. Wendeltreppen bis ins zweite Stockwerk, hohe Räume, Kamin. Natürlich hatte die Gegenwart mit Fußbodenheizung, Bädern, allen Annehmlichkeiten Einzug gehalten. Das Schönste war die Terrasse, ein Stück über den Schlossgraben gebaut. Der Blick ins Grüne, Park, Pferdekoppel, Rosen- und Holunderbüsche und Laubwälder war sehr erholsam. Wieso doch noch Pferde, werden Sie fragen? Zwei altgediente bekommen hier ihr Gnadenbrot. Die Flora und Fauna ist sehr vielfältig, Hasen, Fasanen, Enten,Gänse, leben hier friedlich. Moment, nicht ganz: Die Entenmutter zog mit einer Schar Küken ihre Runden. Sie sind so zahm, dass sie vor der Terrasse Halt machen, weil sie wissen, dass sie Brotbröckchen bekommen. Ich habe sie enttäuscht, als sie kam und ich nicht wusste, wozu das bereitgelegte Brot dienen sollte. Da zog sie beleidigt wieder ab mit ihrer Schar. Wie wir hörten, gibt es leider auch Feinde, da die Zahl der Küken täglich schwindet. Sollte es der böse Hecht sein, der auch im Schlossgraben lebt? Auch Turmfalken und Fledermäuse sollen in den Schlosstürmen ihr Zuhause haben. Stundenlang sass der Reiher auf der Brücke wie eine Statue und beobachtete sein Revier. Nachts hörte ich die Turmuhr der Schlosskirche schlagen. Aber plötzlich ein Geräusch! Was war das, endlich das Schlossgespenst oder? Aber als ich auf die Uhr schaute, war es schon morgens und es war, wie sich später rausstellte, Dieter, der mit Lilly dem Hund raus ging. Schade!

Sonntags haben wir den weitläufigen Park erkundet. Wir waren schon an Heiligabend hier zu Gast, da sind die Männer und Jungens unserer Gesellschaft ganz zünftig am späten Abend mit Fackeln durch den Park gewandert. Damals im Schnee. Das eigentliche Schloss ist leider nicht zu besichtigen, es finden aber in den großen Sälen oft Konzerte statt, oder es wird für Filmaufnahmen vermietet. So blieb mir nur die Vorstellung, wie wohl die Freifräulein damals tanzten, siehe oben.

Sehr interessant war der Familienfriedhof auf dem Parkgelände. Ganz alte Grabsteine, eine Gruft und auch neuere Gräber gab es zu betrachten. Diese Titel! Freiin von und zu………geb…..noch mehr von und zu, ich konnte mir die Namen gar nicht alle merken.

Nach einem Spaziergang zu dem dazu gehörenden Dorf mit schönen alten Häusern und der kleinen Dorfkirche mussten wir leider Abschied nehmen und ganz profan mit der Eisenbahn in den Alltag entschwinden.

Aber danke, Barbara und Dieter für eine Zeitlang Schlossherrin-Gefühl!

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